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zum Thema Sicherheit |
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Fälschungen und Raubkopien bringen satte
Gewinne
Organisiertes Verbrechen operiert längst weltweit
Im weltweiten Kampf sind innovative und intelligente Produktsicherungssysteme
gefordert
Wer bei organisierter
Kriminalität nur an mörderischen Drogen- oder gewaltsamen
Menschenhandel, an Waffenschmuggel, an Mord und Totschlag sowie
blutige Vendetta denkt, kennt nur die spektakuläre, die brutale
Seite des organisierten Verbrechens. Doch längst haben sich
die Ganoven auf scheinbar saubere Geschäfte spezialisiert,
die ihnen fette Beute versprechen: Produktfälschungen, Markenpiraterie
und Plagiate. Ein ganz besonderes Problem: Fälschungen von
behördlichen Papieren und Dokumenten, denn dazu zählen
außer Kraftfahrzeugscheinen und Personalausweisen eben auch
Frachtbriefe und Versandpapiere, mit deren Hilfe am Zoll und Fiskus
vorbei undeklarierte Waren - und natürlich auch gefälsche
Markenprodukte -aus dem Ausland in die Bundesrepublik eingeschleust
werden.
Der Schaden,
der durch diese Art von "sauberen" Geschäften verursacht
wird, ist wahrlich immens. Weltweit schätzt man den Schaden
auf zehn Prozent des Welthandelsvolumens, also auf rund 500 Milliarden
US-Dollar. Mit rasant steigender Tendenz. Damit dieser Entwicklung
ein Riegel vorgeschoben werden kann, sind jetzt innovative und
intelligente Produktsicherungssysteme gefordert, die eine hohe
Sicherheit garantieren und ein Original auch als Original erkennen
lassen.
Handeln tut
Not! Das Bundeskriminalamt geht davon aus, daß allein in
Deutschland im vergangenen Jahr 70.000 Arbeitsplätze durch
Raubkopien und Produktfälschungen vernichtet worden sind.
Und der Schaden wird mit der nieder-schmetternden Summe von 55,5
Milliarden DM pro Jahr - allein in Deutschland wohlgemerkt - beziffert.
Man darf sich
nichts vormachen: Gefälscht und kopiert wird alles, was auf
dem Markt die flotte Mark verspricht: Vor allem CDs und Textilien,
darüberhinaus Computer, Software, Textilien, Uhren, Kameras,
Videogeräte, Banknoten, Kreditkarten, Arzneimittel, Maschinen,
ja selbst sicherheitsrelevante Komponenten und Ersatzteile von
Autos und Flugzeugen. Niemand ist davor gefeit! Geschädigt
werden die Hersteller, zu Schaden kommen aber immer häufiger
auch die Verbraucher.
Die Konsumenten
sind nicht immer ganz unschuldig an den sauberen Deals: Der Druck
auf die Preise bringt manchen Händler auf krumme Gedanken.
Und vergessen darf man nicht, daß jedes Jahr aufs Neue tausende
Urlauber vermeintliche Schnäppchen aus ihrem Urlaubsland
mit nach Hause bringen, gefälschte Textilien vom T-Shirt
bis zur Markenjeans, aber auch Kameras, Videogeräte, Computer.
Ein vermeintliches "Kavalliersdelikt".
Nichts ist
einfacher, als Markenlogos auf Schundware zu drucken. Der "billige
Jakob" erweist sich daher vielfach als regelrechtes Diebesgut,
denn die Marken sind gefälscht und die Waren nachgemacht,
oftmals sogar mit den billigsten Bau-teilen und Ramsch als Komponenten.
Wird der Schwindel nicht schon bei der Einfuhr an der Grenze ruchbar,
dann kommt es mitunter zu unliebsamen Über-raschungen, wenn
die Teile zu Bruch gehen, Garantieleistungen oder gar Gewährleistungsansprüche
geltend gemacht werden sollen.
Manche Urlauber
reiben sich verwundert die Augen, wenn sie bei der Einreise dem
deutschen Zoll ins Netz gehen und dann die Suppe ausbaden müssen.
Ganz ahnungslos sind freilich die wenigsten. Bei der Grenzbeschlagnahme
des vergangenen Jahres wurden über 2.000 Warensendungen mit
gefälschten Produkten sichergestellt. Nur die winzige Spitze
des Eisberges, denn das organisierte Verbrechen überläßt
nichts dem Zufall und fälscht in der Regel auch gleich die
Versandpapiere mit, so daß die allerwenigsten importierten
Sendungen überhaupt auffallen. So wandern manche Waren "ganz
legal" in die Kaufhausregale, die Auslagen der Discounter
oder werden in der Produktion für deutsche Markenartikel
weiterverarbeitet.
Die teuren
Marken heißen Lacoste und Chanel, Ives St. Laurent, Armani
- die gesamte Modebranche ist von diesem Phänomen betroffen.
Der bekannte US-Jeanshersteller Levi Strauss & Co. führte
im Jahre 1998 auf der ganzen Welt 350 Prozesse gegen Markenpiraten.
Und das Unternehmen meldet, daß wegen derartiger Delikte
jährlich bis zu 22 Prozent des Gesamtumsatzes verlorengingen.
Insgesamt hat man 1998 schon 1,5 Millionen gefälschte Hosen
á la Levis beschlagnahmt.
Mit schwerwiegenden
Folgen haben inzwischen auch Unternehmen aus der Automobilbranche
und der Flugzeugindustrie zu kämpfen. Nur äußerste
Diskretion bringt es mitsich, daß der Schaden nicht publik
wird und die Betroffenheit nicht in die Öffentlichkeit getragen
wird. Nur wenige der Unternehmen mögen nämlich überhaupt
zugeben, von Produktfälschungen und Plagiaten betroffen zu
sein - dabei dürfte es inzwischen kaum eine Branche geben,
die davon nicht direkt oder indirekt geschädigt worden ist
und in Gefahr steht, geschädigt zu werden.
Bei den Automobilherstellern
hat man die Flucht nach vorne angetreten. Bereits seit 1994 gibt
es bei Ford eine eigene Markenschutzabteilung, die sich um die
Sicherung ihrer Produkte und die Überprüfung von Ersatzteilen
und Komponenten kümmert. Einige Schläge sind mit ihrer
Hilfe gegen internationale Kartelle bereits gelungen. So wurden
mit Unterstützung der polnischen Polizei Zuliefererfirmen
aus Polen aufgedeckt, die gefälschte Teile herstellen und
in die Bundesrepublik einschleusen. Dabei werden nicht nur die
Automobilhersteller betrogen, sondern im schlimmsten Falle sogar
Menschenleben gefährdet. Gar mancher Haftungsprozeß
brachte es an den Tag: der Hersteller konnte sich aus der Produkthaftung
befreien, weil bei der Wartung beispielsweise gefälschte
Ersatzteile eingebaut worden waren.
So weist
Elring Klinger im VMI-Info 1/1998, dem offiziellen Organ des
Verbandes der Motoren-Instandsetzungs-Betriebe,
auf die Gefahren durch Produktpiraterie hin. "Nur das Original
ist optimal!" Dort heißt es: "Es wäre nicht
das erste Mal, daß unsere Garantieabwicklung Gewährleistungs-ansprüche
mit hohen Folgeschäden ablehnen mußte, weil es
sich beispielsweise bei der Zylinderkopfdichtung um eine
Fälschung
handelte. Hier hat sich ein Schnäppchen-Einkauf ins Gegenteil
verkehrt."
Hinter verschlossenen
Türen sind viele fieberhaft mit der Lösung der Problematik
befaßt: auf europäischer Ebene neben den Regierungen
der Länder auch die Europäische Kommission, und auf
weltweiter Ebene ist auch die UN an einer nachhaltigen Lösung
interessiert. Doch auch die Verschärfung von Gesetzen und
noch härtere Kontrollen werden nicht viel bringen, wenn die
Produktkennzeichnung selbst nicht neue Wege geht. Notwendig ist
ein abgestimmtes Verfahren. Die Industrie muß derartige
Kennzeichnungen einführen und die Sicherheitsbehörden
müssen diese regelmäßig kontrollieren. Abgestimmte
Methoden und kurze Informations-wege, so erklären Sicherheitsexperten,
würden selbst Autodieben und Schieberbanden nachhaltig das
Handwerk legen können. Es ist an der Zeit zu handeln.
In diesem
Zusammenhang ist es sicherlich bemerkenswert, daß sich an
der Bekämpfung von Produktpiraterie inzwischen auch jene
Länder aktiv beteiligen, die als die heimlichen Heimatländer
der organisierten Fälscherbanden gelten: Polen, Tschechien,
Russland, China, Korea, die Türkei und viele andere südostasiatische
Staaten. Schließlich hat man erkannt, daß solcherart
Geschäfte auch die normalen Handelsbeziehungen aufs schärfste
gefährden.
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