SECUTAG in den Medien



Mit bunten Farbpartikeln grauen Markt bekämpfen

Von Bernd Evers

Nottuln/Herzogenaurach
(gi). Kleine Ursache, verheerende Wirkung: War ein abgebrochener, minderwertiger Bolzen, der auf der Startpiste lag, letztlich die Ursache für den Absturz des Überschallflugzeugs Concorde am 25. Juli 2000 bei Paris? Der Untersuchungsbericht lässt offen, ob ein gefälschtes Teil Ursache dafür war. Sicher ist, dass Produktpiraten rund um die Welt längst nicht mehr nur Rolex Uhren, Ray Ban Brillen oder Louis Vuitton Handtaschen fälschen.

Die Schwemme nachgeahmter Artikel kostet nach Angaben des Nottulner Unternehmers Rolf Simons jährlich Tausende Arbeitsplätze und beschert der Industrie Umsatzverluste in Milliardenhöhe. Entscheidend sei auch die Frage der Produkthaftung: Hat beim Concordeabsturz das Originalteil versagt oder ging ein Plagiat zu Bruch? "Bei der Fälschung von Produkten geht es um viel Geld", sagt Simons, "bei Haftungsfragen geht es um die Existenz der Unternehmen."
Simons hat ein System erfunden, mit dem sich Original und Fälschung 100-prozentig sicher unterscheiden lassen. Mikroskopisch kleine Partikel mit einem Farbcode sorgen bei seinem System "Secutag" für eine einwandfreie Zuordnung von Produkten. Noch feiner als Staub schützen die Körnchen die Produkte wie ein genetischer Fingerabdruck.

Außerdem: Das System selbst lässt sich nach Aussage Simons nicht fälschen.


So sieht der Piraten-Schutz aus: Secutag-Partikel, vielfach vergrößert. In Wirklichkeit sind die Teilchen viel kleiner als ein Staubkorn.
"Die kleinen Partikel lassen sich praktisch überall anbringen", sagt der Nottulner Unternehmer: Auf Kleidungsstücken, in Lacken, auf Maschinenteilen sogar in Lebensmitteln oder Medikamenten. Simons macht jeden i-Punkt seiner Unterschrift mit Secutag Tinte. Im Fall des Falles lässt sich unter dem Mikroskop klären, ob es sich um das Original oder eine Fälschung handelt.
Überzeugt von dem Secutag System ist auch der Sportartikelhersteller Puma (Herzogenaurach). "Seit Jahren werden unsere Produkte mit den Partikeln versehen", sagt Jochen Lederhilger, Leiter der Puma-Rechtsabteilung, auf "Glocke"-Anfrage. Die Kopierer fügten den betroffenen Unternehmen deutliche Schäden zu, gibt der Puma-Mann zu, ohne genaue Zahlen zu nennen. Die Nottulner Erfindung werde vor Gericht anerkannt und helfe gegen den grauen Markt.
Der europäische Zoll nutzt auch das Secutag-System. Die Waren werden auf die Partikel untersucht - fehlen sie, wird die Ware beschlagnahmt. "In diesem Jahr gab es bereits 100 Zollfälle", sagt Lederhilger: von ganz kleinen Fällen bis hin zu Containern mit Tausenden gefälschter Puma-Schuhen.

Stichwort: Produktpiraterie
Statistisch ist bereits jedes zwölfte Markenprodukt auf dem deutschen Markt gefälscht", stellt Volker Spitz, Vorsitzender der Vereinigung zur Bekämpfung von Produktpiraterie fest. "Produktpiraterie nimmt weltweit explosionsartig zu", erklärt er. Nach seinen Angaben machen Plagiate inzwischen zehn Prozent des Welthandels aus.
Als Hochburg der Produktpiraterie gilt China. Dort sei das Kopieren von Originalen, seien es nun T-Shirts, Videos, DVDs, Spielwaren, Uhren, Auto- und Flugzeugteile sowie Software, zu einem hochprofitablen Industriezweig geworden, sagt Spitz.
Hologramme, mit denen etwa Microsoft seine Produkte sichert, können gefälscht werden. Das Nottulner Secutag System gilt dagegen als unkopierbar. (be)


 
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